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Worte, die bleiben – Wie ein Tagebuch auf der Intensivstation Nähe schafft

Was passiert mit Erlebtem, an das man sich nicht erinnern kann? Auf der internistischen Intensivstation M144i am Campus Mitte begleitet ein besonderes Instrument Patientinnen und Patienten durch Phasen von Bewusstlosigkeit oder Erinnerungslücken: das Intensivtagebuch. Advanced Practice Nurse Martin Eicher berichtet, wie er das Tagebuch auf der Intensivstation mit etabliert, warum es weit mehr als eine Dokumentation ist und was das alles mit einer modernen, menschlichen Pflegekultur zu tun hat.

Martin Eicher, Advanced Practice Nurse auf der M144i, bei der Arbeit am Beatmungsgerät.

Was bleibt, wenn die Erinnerung fehlt?

Ein Aufenthalt auf der Intensivstation ist für viele Menschen eine existentielle Erfahrung – intensiv im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Nicht selten verschwimmen Eindrücke durch Sedierung, Delir oder Bewusstlosigkeit. Orientierungslosigkeit, Flashbacks und Ängste können die Folge sein – auch lange nach der körperlichen Genesung.

Das Intensivtagebuch der Station M144i am Campus Mitte der Charité setzt genau hier an: Es dokumentiert nicht nur medizinische Ereignisse, sondern schafft ein persönliches, verständliches und würdiges Narrativ. Ein Tagebuch, das Patientinnen und Patienten beim späteren Verstehen, Erinnern und Verarbeiten unterstützt – liebevoll geschrieben von Angehörigen, Pflegenden sowie ärztlichem und therapeutischem Personal.

Wie funktioniert das Intensivtagebuch?

Sobald sich eine Patientin oder ein Patient länger als drei Tage im künstlichen Koma befindet  – etwa nach einem operativen Eingriff oder bei schwerer Erkrankung – wird auf Wunsch ein Tagebuch begonnen. Die ersten Seiten können retrospektiv gefüllt werden, um die Ankunft auf der Station nachzuzeichnen. Danach folgen Einträge, meist ein- bis dreimal täglich: Was ist passiert? Wer war da? Was verändert sich?

Im Vordergrund stehen dabei keine Diagnosen oder medizinischen Fachbegriffe, sondern Wertschätzung, Nähe und Umweltbezug:

„Heute Morgen warst du sehr ruhig. Draußen scheint heute die Sonne. Wir haben dir Musik angemacht – deine Lieblingsplaylist, die du beim Aufwachen hoffentlich wiedererkennst.“ Ein möglicher Eintrag aus dem Intensivtagebuch – geschrieben für eine Patientin, die ihn vielleicht erst Wochen später liest.

Jeder Eintrag beginnt mit einer persönlichen Anrede („Liebe/Lieber …“) und endet mit Datum, Name und manchmal einer kleinen Zeichnung oder einem Gruß.

Mit Ruhe, Nähe und Sorgfalt: Pflege auf der M144i ist mehr als medizinische Routine.

Wenn Pflege mehr als Versorgung bedeutet

Das Schreiben im Tagebuch ist freiwillig. Niemand soll dadurch zusätzlich belastet werden. Vielmehr ist es ein gemeinsames Instrument, um Nähe herzustellen, Unsicherheit zu verringern und den Heilungsprozess auch seelisch zu begleiten – bei Patientinnen und Patienten wie bei Angehörigen.

Martin Eicher, Advanced Practice Nurse (APN) der Station M144i, hat das Tagebuchformat während eines Praktikums in der Schweiz kennengelernt. Seine Erfahrung damit war prägend:

„Ich konnte dort erste Erfahrungen in der Anwendung sammeln und war von der Idee sofort überzeugt. Das Schreiben ist für mich auch eine Reflexion des Patient:innenpfades.“

Besonders eindrücklich erlebt er die Einbindung von Angehörigen:

„Ich finde es toll, dass Angehörige Einträge verfassen können und das Angebot auch wahrnehmen. Besonders berührend sind die Momente, in denen ich auf bereits geschriebene Einträge von ihnen stoße.“

Mit Feingefühl gemeinsam gestalten

Das Intensivtagebuch lebt von der Haltung, mit der es geführt wird und von den Menschen, die es mittragen. Auf der M144i ist das Team der Schlüssel dafür, dass das Tagebuch nicht nur eine gute Idee bleibt, sondern im Alltag lebendig wird. 

Martin Eicher beschreibt es so: „Ein Eintrag pro Tag wäre sinnvoll. Aber das Tagebuch sollte kein zusätzlicher Pflichtpunkt werden. Es darf kein Druck entstehen, sondern muss als freiwilliges Angebot bestehen.“

Gerade im vielschichtigen Alltag auf einer internistischen Intensivstation braucht es realistische Wege der Umsetzung und ein gemeinsames Verständnis dafür, was gute Pflege ausmacht: Nähe, Vertrauen, und das achtsame Mitdenken für Menschen, die sich gerade nicht selbst erinnern können – das ist der innere Kompass, an dem sich das Team der M144i orientiert.

Ein Selfie mit Wirkung: Für die Patientin ein Stück Normalität – für das Team ein Zeichen echter Verbindung.

Pflege, die sich begründen lässt

Auf der M144i ist professionelles Handeln kein Zufallsprodukt. Maßnahmen wie das Intensivtagebuch werden nicht einfach übernommen, weil sie „gut klingen“, sondern weil sie sich im pflegerischen Alltag bewähren – fachlich fundiert, praxisnah und menschlich sinnvoll.

Der Einsatz basiert nicht nur auf Intuition oder Erfahrung, sondern auch auf pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei folgt das Team nicht dem Prinzip „Das haben wir schon immer so gemacht“, sondern prüft regelmäßig, was wirkt – mit Blick auf Nutzen, Umsetzbarkeit und Relevanz für die Patientinnen und Patienten.

Auch das Intensivtagebuch wird in diesem Sinne verantwortungsvoll und evidenzorientiert genutzt. Denn gute Pflege denkt mit – und bleibt dabei immer nah am Menschen.

Warum das Tagebuch auch ein Gewinn für das Team ist

Für Pflegende bietet das Intensivtagebuch weit mehr als eine Dokumentation: Es schafft Reflexionsräume im fordernden Alltag, stärkt die Beziehungsebene im Team und zur Welt der Patientinnen und Patienten und ist ein Beispiel dafür, wie Menschlichkeit und Evidenz in der Pflege Hand in Hand gehen.

Martin Eicher beschreibt seinen Gestaltungsspielraum so:

„In meiner APN-Rolle habe ich die Freiheit, evidenzbasierte Interventionen zu implementieren oder ihre Anwendung in der Versorgung zu stärken. An erster Stelle steht für mich die Versorgung der Patient:innen, aber es ist mir wichtig, auch erweiterte Tätigkeiten wahrzunehmen. Das gehört für mich zu den Aufgaben einer APN dazu.“

Die Unterstützung im Team und von Führungskräften erlebt er als durchweg positiv:

„Ich erhalte Unterstützung von meinen Kolleg: innen und Vorgesetzten. Es gibt positive Rückmeldungen zu Implementierungen wie dem Intensivtagebuch. Das empfinde ich als Wertschätzung meiner Arbeit.“

Auch was Veränderungsprozesse betrifft, zeigt sich die Charité als Arbeitgeber offen:

„Ich erlebe eine hohe Bereitschaft, Innovationen mitzugehen – verbunden mit einer empathischen und gleichzeitig fachlich sehr hochwertigen Versorgungsqualität.“

Medizin auf Augenhöhe – Ärztliches Team der Station im Einsatz am Patientenbett
Mit geschultem Blick und ruhiger Hand: Pflege heißt, hinzuhören – auch im übertragenen Sinne.
Professionelle Nähe im Gespräch: Psychologische Begleitung gehört im Bereich zum gelebten Alltag.
Zwischen Tür und Technik: Zeit für fachlichen und kollegialen Austausch auf dem Weg zum nächsten Einsatz.

Arbeiten auf der M144i – mit Haltung, Herz & Teamspirit

Die M144i ist eine internistische Intensivstation mit einem engagierten Team, innovativen Versorgungskonzepten und einem klaren Werteverständnis. Hier treffen Fachlichkeit und Empathie aufeinander – unterstützt durch moderne Rollen wie Advanced Practice Nurses, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Raum für Initiativen wie das Intensivtagebuch.

Wer sich für die M144i entscheidet, kann aktiv mitgestalten:

„Ich kann nur Positives berichten und lade alle Interessierten herzlich zu einer Hospitation ein.“

A&I-Fachpfleger Marcel begleitet als Praxisanleiter neue Kolleginnen und Kollegen – mit Erfahrung, Geduld und einem offenen Ohr.

Du willst Teil davon werden?

Ob Berufseinstieg oder Perspektivwechsel – auf der M144i erwartet dich ein erfahrenes, herzliches Team und eine Pflegekultur, in der du wachsen kannst.

Mehr Infos findest du unter: karriere.charite.de
Oder bewirb dich direkt für unsere Intensivstationen – wir freuen uns auf dich!