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Leasingfrei: Wie Charité Pflege neu organisiert

Die Charité wird ab Mitte 2026 im Regelbetrieb ohne Leasingfachkräfte in der Pflege auskommen. Was das für die Teams auf Station bedeutet, warum unsere Patientinnen und Patienten davon profitieren und wie wir dies in Zeiten von Fachkräftemangel geschafft haben, erfährst du in diesem Artikel.

Voraussichtlich Mitte 2026 erreichen wir an der Charité einen schon länger angestrebten Meilenstein: Wir werden in der Pflege leasingfrei. Anders als bisher werden wir dann nur noch in akuten, unvorhersehbaren Ausnahmesituationen und Einzelfällen Leasingkräfte einsetzen. In diesem Artikel beleuchten wir, was Leasing eigentlich ist, was es für die Arbeit auf Station bedeutet und wo die weitere Reise hingeht.

Du arbeitest in der Pflege oder interessierst dich dafür? Dann ist dieser Artikel für dich!  

Die Intensivstation 144i am CCM ist bereits heute leasingfrei. Das Team hält zusammen und ist bestens eingespielt.

Was ist eigentlich Leasing in der Pflege?

In diesem Artikel sprechen wir von Personalleasing, auch Arbeitnehmerüberlassung genannt. Und zwar konkret von Pflegefachpersonal.

Personalleasing bedeutet, dass spezialisierte Unternehmen bzw. Dienstleister, qualifizierte Pflegefachkräfte beschäftigen, die sie dann Krankenhäusern oder Pflegeheimen zeitlich begrenzt zur Verfügung stellen, damit diese Personalengpässe umgehen können. Das gleiche gibt es nicht nur für die Pflege, sondern auch für zahlreiche andere Berufsgruppen.

Grundsätzlich ist Arbeitnehmerüberlassung eine gute Sache, denn wenn eine Pflegefachkraft ausfällt, kann sehr schnell und recht unkompliziert Unterstützung angefordert werden, so dass das bestehende Team nicht durch eine Unterbesetzung in Schwierigkeiten gerät oder die Klinik Patientinnen und Patienten ablehnen muss, weil sie die pflegerische Versorgung nicht stellen kann.

Gerade auf den Intensivstationen, wie hier auf der 43i, muss der Besetzungsschlüssel eingehalten werden. Fällt Personal aus, braucht es Ersatz.

Warum will die Charité leasingfrei werden?

Auch wenn das Leasing von Pflegefachkräften im Kern sinnvoll ist, so ist das System in den Zeiten des Fachkräftemangels aus dem Gleichgewicht geraten. Statt kurzfristig und stellenweise mit Leasingkräften einen Personalausfall auszugleichen, wurde Leasing durch den anhaltenden Mangel an Fachkräften immer mehr zur Normalität.

Gleichzeitig wurde das Geschäftsmodell, Leasingkräfte an Kliniken und Pflegeheime zu vermitteln, immer attraktiver. Entsprechend wuchs die Anzahl an Leasinganbietern, die mit besonders guten Konditionen immer mehr Fachkräfte aus den Kliniken und Heimen anwarben. Eine Teufelsspirale, denn die Kliniken mussten die Abgänge oftmals mit Leasingkräften ausgleichen.

Und mit immer mehr Leasingkräften im Einsatz, sind die Kosten sowie der administrative Aufwand für die Kliniken und Heime enorm gestiegen. Zudem bedeutete dies für das Stammpersonal die Einarbeitung von ständig wechselndem Leasingpersonal, das mit den Abläufen auf der jeweiligen Station nicht vertraut war bzw. ist. Und Personal, das oft nur die “beliebten” Schichten übernommen hat.

Nun ist es aber so, dass gut eingearbeitete und regelmäßig geschulte Mitarbeitende, sowie feste Teamstrukturen positiv für das Betriebsklima und auch die Patientenversorgung sind. Externe Mitarbeitende können, gerade in einer hochspezialisierten Einrichtung wie der Charité, nicht alle Gegebenheiten vor Ort und Abläufe kennen – was vom Stammpersonal eine konstante Einarbeitung oder Aufgabenübernahme verlangte.

Langfristig führt eine ständige und hohe Anzahl von Leasingkräften zu Unmut. Entsprechend haben der Charité Vorstand Personal und Pflege sowie die Pflegedirektion ein Maßnahmenpaket geschnürt, mit dem die Charité bis Mitte 2026 leasingfrei wird.

Janine, Leitung des zentralen Pflegecenters, schreibt an ein Flipchart
Das zentrale Pflegecenter organisiert den "Charité Pool". Braucht eine Station Unterstützung, kann das Team blitzschnell agieren und interne Fachkräfte entsenden.

Was sind die Vorteile für die Charité, wenn sie leasingfrei wird?

Der Ansporn, leasingfrei zu werden, lässt sich mit den folgenden Punkten kurz zusammenfassen:

  • Feste Teamstrukturen: Durch eine Kontinuität und Verlässlichkeit wird die Zusammenarbeit gestärkt. Die Kolleginnen und Kollegen kennen sich besser und können sich optimal ergänzen und unterstützen.
  • Fairness: Gleiche Arbeit wird auch gleich entlohnt. Und auch die Dienstpläne werden fair gestaltet, wobei natürlich immer Raum für individuelle Wünsche gelassen wird.
  • Wegfall von Einarbeitungszeiten: Die Abläufe funktionieren besser, wenn Menschen mit ihrem Arbeitsplatz und den dortigen Prozessen vertraut sich. Das Personal kann sich auf die Arbeit konzentrieren und wird nicht ständig unterbrochen.
  • Systematische Weiterbildung: Die Charité investiert in ihre Mitarbeitenden und bietet ständig Weiter- und Fortbildungen an. Das Stammpersonal wird stetig kompetenter.
  • Patientensicherheit: Eingespielte und erfahrene Teams arbeiten effizienter. Und auch die Fallbesprechungen gewinnen an Qualität, wenn Wissen langfristig im Team verankert ist.
  • Wegfall von Administration: Auch bei Leasing-Personal muss die Charité die fachliche Eignung, die Ausbildung und natürlich auch die Gesundheitsdaten überprüfen. Zudem müssen Preise fortlaufend überprüft und Rechnungen gebucht und kontiert werden.  Wertvolle Zeit, die nun eingespart wird.
Leasing bedeutet auch administrativen Aufwand: Alle externen Mitarbeitenden müssen auf Eignung überprüft werden. Zudem müssen die Einsätze abgerechnet werden.

Welche Maßnahmen wurden implementiert, um leasingfrei zu werden?

Unser Hauptanliegen, als wir uns den Meilenstein “leasingfrei” gesetzt haben, war von Anfang an, dass dies nicht zu Lasten unserer Belegschaft geschehen darf. Vielmehr wollten wir eine gute Besetzung der Dienste mit eigenem Personal sicherstellen. Hierfür haben wir eine Reihe an Maßnahmen etabliert:

  • Verbesserungen der Arbeitsbedingungen: Wir arbeiten kontinuierlich daran, dass sich die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden verbessern. Faire Bezahlung nach TVöD + Stabi-Dienste (siehe Artikel), attraktive Dienstpläne und Besetzungsschlüssel, zahlreiche Weiterentwicklungsmöglichkeiten, geschulte Führungskräfte, verbindliche Onboardingkonzepte etc. All diese Maßnahmen führen dazu, dass sich unsere Mitarbeitenden wohl fühlen und oft auch vom Leasing zu uns wechseln, um langfristig ein Teil der Charité zu werden.
  • Ausbildung: Während Leasingunternehmen nicht ausbilden, ist die Charité seit vielen Jahren einer der größten Ausbildungsbetriebe im Gesundheitswesen. Um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen, haben wir unsere Ausbildungsplätze auf rund 1.000 Auszubildende ausgeweitet. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Qualität: durch mehr Praxisanleitungen mit einer engen 1:2-Betreuung, ein eigenes Team für die Personalentwicklung von Auszubildenden sowie ein zentrales Team zur Nachwuchssicherung. Das Ergebnis ist eine hochwertige, strukturierte Ausbildung – und entsprechend hohe Bewerberzahlen. Selbstverständlich übernehmen wir unsere Pflegeauszubildenden nach erfolgreichem Abschluss.
  • Professionalisierung & Akademisierung der Pflege: 2021 haben wir das Studium Pflegewissenschaften eingeführt, dass wir seit 2024 als duales Studium anbieten. Zudem haben wir 2024 die Stabsstelle Akademisierte Gesundheitsfachberufe geschaffen, die sich mit den Rollen, dem Handlungsrahmen und dem Zielbild in der Pflege und den weiteren Gesundheitsfachberufen beschäftigt. Ziel ist es, akademisierte Gesundheitsfachberufe systematisch auf den Stationen zu verankern, ihre Wirksamkeit im Versorgungsalltag zu stärken und die Attraktivität der Gesundheitsfachberufe nachhaltig zu erhöhen.
  • Internationale Mitarbeitende: Unsere Stabsstelle Integration der Pflege leistet großartige Arbeit und gewinnt auf der ganzen Welt Pflegefachkräfte für die Arbeit an der Charité. Das Team wirbt aber nicht nur Personal an, sondern kümmert sich insbesondere um eine gelungene Integration, Sprachkurse und unterstützt die Neuankömmlinge bei Behördengängen und auch der Wohnungssuche. Wichtig ist uns aber dabei, dass es in den Ländern, in denen wir rekrutieren, nicht auch zu einem Pflegemangel kommt.
  • Übernahme aus Leasing: Die Charité hat, wie bereits erwähnt, stark in attraktive Arbeitsbedingungen investiert. Hinzu kommen die Sicherheit, Vorsorge, Kontinuität und Expertise, die mit der Arbeit im öffentlichen Dienst und an der Charité einhergeht. So konnten wir viele Fachkräfte gewinnen, sich unseren Teams anzuschließen und langfristig bei uns Karriere zu machen.
  • Pflegepool: Mit unserem zentralen Pflegecenter haben wir einen eigenen Mitarbeitendenpool aufgebaut. Die Mitarbeitenden aus dem Pflegepool springen spontan auf den Stationen ein, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. Entsprechend müssen wir keine Leasingfachkräfte beziehen, sondern können einfach auf unser eigenes Team zurückgreifen.
Zwei Pflegefachkräfte arbeiten gemeinsam an der Versorgung eines Patientens
Die Stabsstelle Integration Pflege gewinnt Fachpersonal auf der ganzen Welt für die Charité und stellt sicher, dass diese einen guten Start bei uns haben. Die Zuwanderung ist essenziell, um eine gute Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

Welche Erfolge wurden bereits erzielt? Und wo geht die Reise hin?

Die Charité steuert klar gen leasingfrei. Wir haben einen sukzessiven und nachhaltigen Aufbau von Haushaltspersonal durch die oben genannten Maßnahmen erreicht. Was vor 1-2 Jahren noch undenkbar schien: Viele Stationen kommen bereits heute komplett ohne externes Fachpersonal aus. Und der Trend hält an. Voraussichtlich Mitte 2026 wird die Charité komplett leasingfrei sein und Ausfälle können durch die grundsätzlich gute Besetzung und den hauseigenen Pflegepool intern kompensiert werden. Nur in besonderen und unvorhersehbaren Ausnahmesituationen werden wir dann noch auf Leasing zurückgreifen. Wir stellen schon jetzt in Mitarbeitendenbefragungen fest, dass dieser Weg der richtige ist und sich das Personal zunehmend wohler fühlt.

Du willst ebenfalls an der Charité beginnen? Dann ist jetzt der perfekte Moment gekommen. Bewirb dich noch heute.

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